Warten auf Vögel III

Wien, Karlsplatz, 2008

Warten auf Vögel III ist primär als künstlerische Intervention innerhalb des „Natur- und Lebensraumes Wien“, der vor allem ein urbaner Raum ist, konzipiert. Der artifizielle Charakter der Installation (rote Farbe, geometrisch-architektonische Struktur der Anlage) erzeugt in Kombination mit den potenziell „bewohnbaren“ Nistkästen durch Vögel ein ambivalentes Verhältnis zwischen konstruierter Materie und lebendiger Natur, zwischen „logos“ und „natura“ …, welches auch das (gespaltene) Verhältnis unserer Zivilisation zur Natur widerspiegelt.

Realität und Fiktion ist ein weiteres Gegensatzpaar, das hier zum Ausdruck kommt und gerade im Kontext des urbanen Raums mit diversen Entwürfen und Utopien gesellschaftlicher wie auch architektonischer Konstruktionen in Verbindung gebracht werden kann.

Indem Warten auf Vögel bei aller struktureller Konstruktivität ein Potenzial des Unvorhersehbaren, der Unberechenbarkeit mit sich bringt, taugt die Installation auch zur Irritation ihrer BetrachterInnen, die in jedem Fall Aufmerksamkeit erzeugt. Dies auch im Sinne einer „emotionellen Erfahrung in der Kunst“, die, wie Hermann Czech schreibt, eine Grundhaltung mit zwei dialektischen Aspekten einfordert: „Sie bleibt offen für das Irreguläre und Absurde und ist gleichwohl eine Haltung der Intellektualität, der Bewusstheit.“*

Lucas Gehrmann